Welches Hunderl hätten's denn gerne?

Artikel zum Thema Hundekauf
Stadtführer für Hunde
Fred & Otto

 

 
Fred + Otto Kaufberatung Interview

Wie man den richtigen Hund für sich auswählt.


Hund ist nicht gleich Hund. Viele meinen: Einer kleiner soll's sein, dann hat man nicht so viel Ärger. So kommt man dann auf einen putzigen Terrier - und erlebt die große Überraschung, wenn man feststellt, dass das echte Jagdhunde sind mit unglaublicher Ausdauer und Zähigkeit. "Klein" heißt bei Hunden nicht automatisch süß, verspielt und erst recht nicht, dass kleine Hunde weniger Auslauf brauchen. Diese und ähnliche Probleme kennt Tanja Matzku, die immer wieder feststellt, dass viele Hunde bei den falschen Besitzern landen. Tragisch ist das für alle Beteiligten, den Hund inklusive. Wir sprachen mit der Tiertrainerin, die seit Jahren auch Kaufberatung anbietet:

 

1. Was sollte man als erstes beachten, wenn man
einen Hund haben will?

Zunächst sollte man sich ganz ehrlich die Frage stellen, WARUM man einen Hund halten möchte. Die meisten Hunde werden heutzutage als Sozialpartner, Teil der Familie gehalten und das ist auch völlig in Ordnung. Das stellt aber gewisse, nicht zu unterschätzende Anforderungen an den Hund, vor allem in der Stadt.  Man sollte sich auch fragen, ob es realistisch ist, dass dieser Wunsch die nächsten 10-15 Jahre bestehen bleibt und ob man bereit ist, sein Leben dauerhaft zu verändern. Für mich die wichtigste Frage ist: Kann ich die Zeit und vor allem die Energie aufbringen, dem Hund ein (möglichst) hundegerechtes Leben zu ermöglichen, sodass wir BEIDE eine gute Zeit miteinander haben können?

 

2. Was sind die größten Fehler beim Hundekauf?

Anders als beim Autokauf, informieren sich Menschen so gut wir nie vor dem Hundekauf. Eventuell wird ein Hundebuch gelesen oder sich beim Züchter der gewünschten Rasse informiert. Was leider nicht ausreicht. Oft wird die Entscheidung für einen Hund zu schnell und unüberlegt getroffen. Wir Menschen neigen unglücklicherweise auch zu Oberflächlichkeiten und wählen nach Farbe!, Haarlänge etc. aus. Was sicher zu einem gewissen Grad legitim ist, aber das Wesen ist im Grunde der entscheidende Faktor. Wir identifizieren uns auch mit bestimmten Rassen, ihrem oft grotesken Aussehen oder ihrem Ruf und wollen damit , oft unbewusst ein Statement über uns machen. Einen guten Züchter zu finden, das kostet Zeit und Geduld, und sitzt der süße Welpe schon mal auf dem Schoß, nimmt man ihn eben mit nach Hause. Wir leben in einer Zeit, in der es unzählige Hunderassen und Mischlinge käuflich zu erwerben gibt. Aus dem In- und Ausland.  Hunde sind beliebt und es gibt einen großen Markt. Es gab wohl noch nie eine Zeit, in der in der Zucht so wenig Augenmerk auf körperliche und psychische Gesundheit der Tiere gelegt wurde, wie jetzt. Der Rubel rollt und Erbkrankheiten, Wesensmängel  und eine starke Einschränkung der Lebensqualität durch extrem verstärkte Rassemerkmale sind bei vielen Rassen bereits traurige Normalität. Und die frischen Hundebesitzer Dauergast bei Tierarzt und Hundetrainer. Auch mit Mischlingshunden ist es nicht viel leichter. Viele Hunde, speziell in Berlin,  kommen von Vermehrern aus Polen und werden von Menschen in Zeitungen oder im Internet gefunden,  die entweder nicht so viel Geld für einen Rassehund ausgeben wollen oder sich einen gesunden Mischling wünschen. Leider unterstützen sie damit einen grausamen Hundehandel und müssen nicht selten den Tod des Welpen miterleben. Ganz abgesehen von psychischen Schäden, die diese Hunde aufgrundder schlechten Zustände oft mitbringen. Es ist sowohl für den Kauf eines Rassehundes, als auch eines Mischlings sehr wichtig zu wissen, auf was man achten muss, um keine gewinnorientierten Züchter oder Vermehrer zu unterstützen. Mitleidskäufe kurbeln leider das Geschäft an.
Zuguter letzt denken viele Menschen, dass mit viel Liebe jeder Hund aus dem Tierschutz wieder hinzubiegen ist und unterschätzen damit oft, was auf sie zukommen kann- und oft kommt.

 

 3. Wie kann ich mich über die vielen Hunderassen
gut informieren?

Die meisten Hundeschulen bieten Beratung vor dem Hundekauf an und wissen, dass diese leider kaum genutzt wird. Man kann sich zwar ausführlich im Internet informieren aber was bedeuten entsprechende Eigenschaften nun tatsächlich in der Praxis für ein Leben mit dem Hund? Ein Berater, der die ursprüngliche Verwendung und die Entwicklungen in der Zucht einer Rasse kennt und mit den Erwartungen und Lebensumständen der Person, die sich den Hund wünscht, ein wenig abgleichen kann, ist im Grunde unumgänglich.

 

 

4. Kann man sich als Hundehalter in spe vielleicht auch vorbereiten, beispielsweise durch Patenschaften?

Ich halte das für eine gute Idee. Ein Hund läuft in der Regel nicht "so nebenbei mit". Ein Hund ist ein 24/7 Job. Man muss sein Leben umstellen, man muss viel Energie und Zeit investieren und ist sehr gebunden. Für mindestens ein Jahrzehnt. Diese Verantwortung darf man nicht unterschätzen. Unlängst betreute eine Freundin meine kleine, agile, fordernde Hündin für eine Woche und übergab sie mir mit den Worten: "Oh mein Gott, das wäre nichts für mich!"  Es gibt z.B. Patenschaften für junge Behindertenbegleithunde, bevor diese ihre Ausbildung beginnen. Es gibt auch bei einigen Tierheimen oder Tierschutzorganisationen die Möglichkeit, Pflegehunde zu übernehmen. Auf Seriosität ist auf alle Fälle zu achten, denn auch im Bereich des Tierschutzes tummeln sich immer mehr "Vermehrer", denen es nur um die Vermittlungsgebühr geht. Man sollte einfach nie vergessen: Der Hund ist keine Ware, die ich einfach wieder zurückgeben kann, weil mir die Tierarztkosten (bei krank gezüchteten Rassehunden) zu hoch werden, die Erziehung zu anstrengend wird oder weil ich mich doch nicht so gebunden fühlen will. Die Tierheime sind voll. Wenn die Betreuung vonAnfang an auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt ist, hilft man einem (Tierheim-)Hund zumindest zeitweise aus widrigen Umständen und trifft am Ende vielleicht die richtige Entscheidung für den ersten eigenen Hund.