Und immer wieder die Frage:
Kann man Hunde mit Doppelfell scheren?
Das mitteleuropäische Klima ändert sich schon seit Jahren sehr deutlich und immer öfter kommt die Frage auf, ob und wie man seinen Hund in diesen Hundswochen und -monaten (HundsTAGE gehören wohl der Vergangenheit an) unterstützen kann. Während bei Pudel & Co. eine Schur völlig normal und akzeptiert ist, sieht das bei Hunden mit Unterwolle schon deutlich anders aus. Die Meinungen gehen weit auseinander. Mischlinge mit Unterwolle rutschen durch diese Diskussion meist unbemerkt hindurch, bei Rassehunden hingegen wird mitunter hitzig argumentiert. Hunde werden mit Thermoskannen verglichen, die Krankheit Alopezie mit eingestreut, absolute Verbote ausgesprochen und das eigene Wärmeempfinden spielt sicherlich auch eine Rolle. Wie ist es aber nun am besten für den eigenen Hund? Darum sollte es ja letztendlich gehen. Hier also eine möglichst weitreichende Beleuchtung der Thematik, (fast) neutral und mit dem tatsächlichen Wunsch, solange Hundezucht sich nur wenig am Wohl des Tieres orientiert, einfach mal den eigenen Hund genau zu beobachten.
Inhaltsverzeichnis (anwählbar):
1. Bergmannsche und Allensche Regel
2. Physik der Wärme
3. Sommerfell und Winterfell
4. Doppelfell beim Hund
5. Was passiert eigentlich beim Scheren und wie könnte man scheren?
6. Fazit
Exkurs Alopezie X
Wüstenfuchs Fennek*
Ich erinnere mich immer wieder an den kleinen Wüstenfuchs Fennek, mit seinen riesigen, gut durchbluteten Ohren, die hervorragend für die Wärmeabgabe geeignet sind. Hier habe ich noch einmal genauer hingesehen. Unsere Hunderassen sind alle nach den Wünschen des Menschen geformt, ohne Rücksicht auf Verluste. Die Natur hingegen macht, was gut funktioniert und sinnvoll ist.
Die Bergmannsche Regel:
Bei gleichwarmen Tieren sind Populationen einer Art bzw. nah verwandter Arten in kalten Klimazonen tendenziell größer und massiger als solche in warmen Klimazonen. Mit zunehmender Körpergröße nimmt das Volumen stärker zu als die Oberfläche. Ein großer Körper besitzt daher relativ weniger Oberfläche, über die Wärme mit der Umgebung ausgetauscht werden kann.
Allensche Regel:
Bei gleichwarmen Tieren sind hervorstehende Körperteile bzw. Extremitäten – etwa Ohren, Beine, Schwanz oder Schnauze – in kalten Klimaten tendenziell kürzer bzw. kleiner, in warmen Klimaten dagegen länger bzw. größer.
Zusammengefasst >>
Wärme wird unter anderem über die Körperoberfläche abgegeben.
Je größer ein Tier, desto weniger Oberfläche hat es im Verhältnis zu seiner Masse. Damit gibt es weniger Wärme an die Umwelt ab. Was, je nach klimatischen Verhältnissen, ein Vor- oder Nachteil sein kann. Je kleiner es ist, desto mehr Oberfläche hat es im Verhältnis und gibt daher mehr Wärme ab.
Durch hervorstehende Extremitäten wie große Ohren, lange Gliedmaßen kann diese Oberfläche weiter vergrößert werden. Sind diese schwach oder gar nicht behaart, erlauben sie eine bessere Wärmeabgabe an die Umwelt.
In der Natur werden diese physikalischen Vorgänge oft kombiniert genutzt:
> größere Oberfläche, weniger Isolation, längere Extremitäten, größere Ohren
Wüstenfuchs und Polarfuchs*
Auch bei Wölfen lässt sich beobachten, dass Tiere südlicher Populationen oftmals kleiner sind als solche in nordischen Gefilden.
Podenco Ibicenco*
Der Podenco ist ein schönes Beispiel für einen an heiße Klimazonen angepassten Hundetypus – und veranschaulicht die Allensche und Bergmannsche Regel. Es hätte, menschliche Vorlieben und Gebrauchswünsche hin oder her, wenig Sinn gemacht, einen solchen Typus in Sibirien, Lappland oder Alaska zu züchten. Er ist schlank & leicht, besitzt daher relativ viel Oberfläche im Verhältnis zu seiner Masse, hat lange Extremitäten und große Ohren, was ihm zusätzliche Oberfläche bereitstellt und hat kurzes, dünnes Fell – und damit eine erleichterte Wärmeabgabe. Bei einem Podenco bzw. anderen schlanken, wärmeangepassten Hundetypen können oberflächennah verlaufende Blutgefäße an wenig behaarten Körperpartien zur Wärmeabgabe beitragen. Ist dem Hund warm, können sich Gefäße der Haut erweitern (Vasodilatation). Dadurch wird mehr warmes Blut aus dem Körperinneren in oberflächennahe Gewebe transportiert.
Dort kann Wärme an die Umgebung abgegeben werden durch:
Konduktion, Konvektion, Radiation
Die Physik der Wärme
Wärmeleitung (Konduktion)
Wärme wird bei direktem Kontakt übertragen. Liegt ein Hund beispielsweise auf kaltem Steinboden, fließt die Wärme vom Hund in den Boden. Liegt er auf heißem Asphalt, kann diese Wärme vom Untergrund auf den Hund übertragen werden. Besonders wirksam ist dieser Wärmeaustausch an wenig oder unbehaarten Körperregionen, die direkten Kontakt mit dem Untergrund haben. (z.B. Innenseite der Schenkel, Achselregion)
Wärmeströmung (Konvektion)
Wärme wird durch bewegte Luft oder Wasser von der Körperoberfläche abgeführt. Deshalb empfinden wir einen Luftzug als kühlend. Dichtes Fell verhindert allerdings, dass Luft unmittelbar an die Haut gelangt. Je dichter die Unterwolle, desto stärker wird die Luft im Fell festgehalten – genau das macht sie zum hervorragenden Isolator.
Wärmestrahlung (Radiation)
Wärme kann ohne direkten Kontakt durch Strahlung übertragen werden. Ein Hund gibt selbst Wärmestrahlung an eine kühlere Umgebung ab, nimmt aber gleichzeitig Strahlungsenergie aus seiner Umgebung auf.
Besonders wichtig ist die Sonnenstrahlung: In direkter Sonne kann sich die Felloberfläche weit über die Lufttemperatur hinaus erwärmen. Ausreichend dichtes Fell kann die darunterliegende Haut vor direkter Sonneneinstrahlung abschirmen und zugleich den Wärmetransport von der erhitzten Felloberfläche zur Haut verlangsamen. Fell bietet somit einen wichtigen Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung. Helles Fell reflektiert dabei in der Regel mehr Sonnenstrahlung als dunkles Fell.
Diese Schutzfunktion – die verlangsamte Erwärmung der Haut bei direkter Sonneneinstrahlung – wird häufig als Argument dafür herangezogen, dass „dichtes Fell vor Hitze schützt“. Im Kern ist das erst mal nicht komplett falsch. Dieselbe isolierende Wirkung, die die Wärmeübertragung von außen verlangsamt, erschwert jedoch umgekehrt auch die Abgabe körpereigener Wärme über die Haut an die Umwelt. Das Doppelfell wirkt als thermischer Widerstand, der den Wärmefluss in beide Richtungen bremst.
Um das Beispiel mit der Thermoskanne heranzuziehen: Würde man einen Hund mit Eiswürfeln füllen, bliebe er dank der Isolationsschicht in großer Hitze länger kühl. 😉
Verdunstung (Evaporation)
Bei der Verdunstung von Wasser wird Wärme benötigt und dadurch dem Körper entzogen. Menschen nutzen dafür vor allem das Schwitzen über große Teile der Haut. Feuchtigkeit kühlt. Hunde können zwar über die Pfoten schwitzen, dies spielt für die gesamte Wärmeabgabe aber nur eine untergeordnete Rolle. Beim Hund erfolgt die Kühlung überwiegend über die Atemwege durch Hecheln. Daher sind eine ausreichende Schnauzenlänge und vor allem freie, funktionelle Atemwege für die Thermoregulation des Hundes enorm wichtig.
Sommerfell | Winterfell
Nun sind klimatische Gegebenheiten natürlich keineswegs einheitlich. Wir haben Tag und Nacht, Jahreszeiten, Breitengrade, Höhenunterschiede, Landmassen und vieles mehr, das die Temperatur beeinflusst.
In Berlin/Deutschland wird es im Winter äußerst kalt, die Übergangsjahreszeiten sind von nassen und kalten aber auch zwischendrin sehr warmen Tagen geprägt und die Sommer werden von Jahr zu Jahr heißer. Hier kühlt es oftmals auch nachts nicht mehr ab.
Europäischer Wolf im Fellwechsel*
Ein europäischer Wolf beispielsweise verliert im Sommer tatsächlich recht ordentlich Fell, auch an Kragen und Rute und passt sich unter anderem damit den Temperaturen an. Teilweise sehen die Wölfe richtig zerzaust aus, das Fell wird regelrecht abgestoßen. Ähnelt einer missglückten Schur. ;-)
Europäischer Wolf im Sommer*
Wenn also ein extrem dichtes Winterfell im Sommer nur Vorteile hätte, gäbe es wenig Selektionsdruck, es jedes Jahr wieder loszuwerden. Die Natur macht hier offensichtlich etwas anderes:
Im Winter wird maximale Isolation aufgebaut. Im Sommer wird die Isolation deutlich reduziert.
Europäischer Wolf im Winter*
Timberwolf im Fellwechsel*
Doppelfell beim Hund
Moderner Shetland Sheepdog / Sheltie*
Unsere Hunde haben diese Anpassungsfähigkeit durch unsere Zuchtaktivitäten weitgehend verloren. Meine Kleinspitzhündin verliert zwar im Frühjahr Unmengen an Unterwolle, ist danach aber immer noch so dicht behaart, dass eine Reise in die Arktis kein Problem wäre. Zudem wächst die Unterwolle direkt wieder nach, nicht erst zum Winter. Auch bei einigen Schlägen des Australian Shepherds oder beim Sheltie beispielsweise ist ein Unterschied zum Winterfell mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die Ursprünge der Rassen sind uns ebenfalls oft nicht mehr bewusst. Die Insel Shetland ist auch im Sommer relativ kühl. Ein wirklicher Fellwechsel wird hier vermutlich nicht gebraucht. Im Gegenteil, ein echter Arbeitshund muss auch draußen jederzeit gut zurechtkommen. Insgesamt haben wir Menschen über die Zeit eine große Bandbreite an Doppelfellvarianten hervorgebracht.
Langhaar & Unterwolle | Kurzhaar & Unterwolle | Rauhaar & Unterwolle - und dabei alle Ausprägungen was die Dichte und Wuchsgeschwindigkeit betrifft.
Doppelfell-Beispiele: Schäferhund, Labrador, Spitz, Shiba Inu, Husky, Golden Retriever, Bearded Collie, Airedale Terrier, Tibet Terrier, Collie etc.
Sieht man sich z.B. einen Keeshond (Zuchtlinie des Wolfsspitzes) im Vergleich zu einem echten Wolf mit Winterfell an, ist das durchaus überraschend. Der Keeshond trägt im Sommer scheinbar deutlich mehr Fell als der Wolf im Winter. Und dieser lebt immerhin das ganze Jahr im Freien.
Keeshond im Sommer*
Europäischer Wolf im Winter*
Um noch einmal auf die Isolationswirkung zurückzukommen:
Ein Hund erzeugt nicht nur in Bewegung Wärme, auch im Ruhezustand sind alle seine lebenserhaltenden Stoffwechselvorgänge aktiv. Diese Wärme muss idealerweise an die Umgebung abgegeben werden können, damit die Körpertemperatur im Normalbereich von 37,5–39,2°C gehalten werden kann. Durch eine dichte Isolationsschicht wird diese Abgabe erschwert.
Ein Kleinspitz im Vergleich zu einem modernen Zwergspitz (Pomeranian)*
Je nach Modetrend und züchterischen Vorlieben kann man bei vielen Rassen oder einzelnen Zuchtlinien eine Zunahme der Fellmenge beobachten. Gleichzeitig ist bei manchen Rassen eine Verkürzung der Schnauze zu beobachten. Der Pomeranian (Zwergspitz) ist beispielsweise mit beiden Entwicklungen konfrontiert: Sehr üppiges Fell kann die Wärmeabgabe über die Haut erschweren, während eine verkürzte Schnauze die Verdunstungskühlung über die Atemwege beeinträchtigen kann.
Zudem sollte man sich unbedingt auch die heutigen Haltungsformen unserer Haushunde ansehen. Trotz Zucht auf üppiges Fell, leben diese Hunde in der Regel nicht mehr im Freien, sondern in beheizten Wohnungen (Fußbodenheizung..) und oftmals im städtischen Raum mit starker Wärmebelastung durch erhitzten Beton. Sie müssen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, leben in aufgewärmten Dachgeschosswohnungen und liegen tagsüber in Büros.
Ein moderner Pomeranian oder Keeshond mit Showfell lebt in der Stadt deutlich anders als ein Wolf im Wald oder auch nur seine Spitzahnen, die als Wachhunde meist draußen lebten und sich im Sommer im Schatten des Hofes, im kühlen Stall oder an ähnlichen Rückzugsorten aufhielten. Bei deutlich moderateren Temperaturen.
Was passiert beim Scheren? / Wie Scheren?
Das Fell bildet eine isolierende Schicht zwischen Haut und Umgebung. Wird diese Schicht deutlich verkürzt, verringert sich ihre Isolationswirkung und Wärme kann leichter zwischen Körper und Umgebung ausgetauscht werden. Je kürzer das Fell, desto geringer ist grundsätzlich der isolierende Abstand zwischen Haut und Außenwelt. Durch eine Schur wird die Fellstruktur verändert, Unterwolle und Deckhaar können in sehr unterschiedlichen Verhältnissen und Längen nachwachsen.
Wichtig ist hier vor allem, zwischen einer Schur bis auf die Haut und einer Schur, bei der mehrere Millimeter Fell zurückbleiben, zu unterscheiden. Der Schutzmechanismus des Fells gegen Sonneneinstrahlung und mechanische Einwirkungen muss unbedingt erhalten bleiben.
Erwähnen möchte ich hier kurz die „Post-Clipping-Alopecia“. Bei sehr kurzen Schuren bis auf die Haut kann es sehr selten zur Entwicklung von extremem Haarausfall, einer sogenannten Alopezie kommen. Sie verlangsamt das Nachwachsen des Fells an der Stelle der Schur oft für Monate bis Jahre. In den meisten Fällen wächst das Fell wieder vollständig nach.
Die Zusammenhänge der Post-Clipping-Alopezie sind noch nicht ausreichend erforscht. Sie tritt aber selten auf, bei sehr hautnaher Schur (wird daher meist nach Operationen beobachtet) und vorrangig bei nordischen bzw. dicht behaarten Hundetypen mit Doppelfell.
Die Hautpigmentierung des Hundes ist auch zu beachten. Bei Extremschecken (Hunde mit wenigen dunklen Flecken im Fell, aber viel Weiß) ist die Haut oftmals rosa/scheckig und sehr empfindlich. Hier muss unbedingt ausreichend Fell zum Schutz vor Sonneneinstrahlung stehen bleiben.
Bei komplett weißen Hunderassen wie beispielsweise weißen Schäferhunden, Samojeden, weißen Spitzen oder sehr hellen „Golden“ Retrievern ist dies zum Glück nicht der Fall. Hier ist die Haut normal pigmentiert.
Beispiel für eine Sommerschur:
Die Unterwolle muss zunächst so gut wie möglich ausgebürstet werden. Es gibt diverse Bürsten, die dem unzureichenden Fellwechsel dabei auf die Sprünge helfen können. Ich persönlich schere im Anschluss z.T. die Beine | Bauch | Seiten | Innenschenkel recht kurz und lasse auf dem Rücken Deckhaar stehen. Sollte es doch zwischendurch kühlere und feuchte Tage geben (Frühjahr und Herbst) und v.a. auch zum Schutz vor UV-Strahlung. Meine Hündin fängt bereits ab 20 °C an, sich nur noch von Baumschatten zu Baumschatten zu bewegen – ein sogenannter „Schatten-Hopper“ 😉. Durch die Schur verhält sie sich wesentlich agiler und entspannter. Auch hechelt sie deutlich weniger und kann an unserem normalen Alltag weiterhin teilnehmen. Gehen wir schwimmen, hat das Wasser tatsächlich eine Chance, sie zu kühlen. Man glaubt es kaum, in ihrer vollen Spitzpracht käme sie mit trockener Haut aus dem Wasser, so gut ist die Isolation! Unsere letzte Schur findet meist Ende Juli/Anfang August statt und bis das Wetter richtig schmuddelig wird, ist dann auch pünktlich das volle, schützende Fell mit Deckhaar zurück. Die Unterwolle wächst durchweg wie Unkraut. Ich schere pro heißem Sommer ca. 3-4x. Ich weigere mich aus Natur- und Klimaschutzgründen nur für meinen zu dicht behaarten Hund eine Klimaanlage zu erwerben und ganztags (und immer häufiger auch nachts) laufen zu lassen. Und den Hund im Sommer vorrangig in der Wohnung leben zu lassen.
Kleinspitz im Winter
Übergangsjacke 😉
Wenn’s unerträglich heiß wird
Fazit
Bei meinen Recherchen ist mir vor allem eines aufgefallen. Die Natur hat bestimmte sinnvolle Mechanismen der Temperaturregelung hervorgebracht, derer wir uns kaum noch bewusst sind. Unsere Hunde brauchen sie zum Teil gar nicht mehr, da wir ihre Selektionsbedingungen bestimmen. Ein Kurzhaarzwergdackel schafft es dank seiner Halter wunderbar den Winter zu überleben. Insgesamt sind die Zusammenhänge zwischen Felltyp und Thermoregulation beim Haushund noch nicht umfassend erforscht.
Man könnte also folgende Punkte beachten:
○ Aus welchen klimatischen Bedingungen kommt mein Hund ursprünglich und wie wurde
er dort üblicherweise gehalten?
○ Wie dicht ist das Fell meines Hundes und wirft er im Sommer genug davon ab?
○ Wie groß und massig oder klein und leicht ist mein Hund? (Bergmann)
○ Wie ist das individuelle Wärme- und Kälteempfinden meines Hundes?
(Ein dauerhechelnder Schatten-Hopper oder ein Sonnenanbeter?)
○ Wie alt ist mein Hund? Kam er früher mit dem Pelzmantel im Sommer gut klar aber
scheint nun im Alter schwer damit zu kämpfen?
○ Wie verhält sich mein Hund nach einer Schur? Erleichtert oder unverändert?
○ Wie lebt mein Hund? Ein russischer Laika auf einer Farm in Lappland ganzjährig im
Freien oder ein Australian Shepherd in Berlin Mitte in einem Appartement?
○ Hechelt mein Hund sehr viel, auch in der Wohnung? (nachweislich nicht aus Stress…)
Ich hoffe, damit fällt die Entscheidung für oder gegen eine Schur leichter. Allen Instagram & Co. Artikeln zum trotz.
Dieser Artikel erhebt im Übrigen keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit, er dient lediglich der Veranschaulichung unterschiedlicher Fellbeschaffenheiten einiger Caniden.
* Alle Fotos, bis auf die meiner eigenen Hündin, wurden mithilfe von KI nach naturgetreuen Vorbildern erstellt und dienen der Veranschaulichung.
Exkurs Alopezie X
Die Alopezie X (Hair Cycle Arrest Alopecia/früher Black Skin Disease) möchte ich hier ebenfalls aufführen, da sie sich deutlich von der Post-Clipping-Alopezie unterscheidet. Die Alopezie X ist vermutlich eine genetische Veranlagung, die insbesondere den Zwergspitz (Pomeranian) und teilweise einige nordische Hunderassen mit Doppelfell betrifft (z.B. Keeshond / Wolfsspitz, Samojede, Chow Chow, Alaskan Malamute, Sibirischer Husky).
Sie wird gegenwärtig erforscht. In einer Studie wurde beobachtet, dass Pomeranians mit wolliger, wuscheligerer Fellstruktur, die sogenannten „Woolly-Coat“-Typen bzw. „Teddy“-Typen, ein etwa 4-fach erhöhtes Risiko hatten, Alopezie X zu entwickeln.
Der ursprüngliche Rassestandard des Spitzes beschreibt ein glänzendes Doppelfell mit langen, geraden Primärhaaren (Deckhaar) und dichter Unterwolle. Demgegenüber steht der moderne Woolly Coat eines Pomeranians mit krausem, eher stumpfem und trockenem Fell mit weniger Deckhaaren. Es ist derzeit unklar, ob der Woolly Coat lediglich eine durch Zucht entstandene Fellvariante ist oder bereits ein Vorstadium von Alopecia X. Das müsse weiter untersucht werden. In der veterinärmedizinischen Dermatologie wird Alopecia X häufig gar nicht mit Haarausfall beschrieben, sondern der erste Hinweis lautet:
Verlust der Deckhaare. Erst danach folgen stumpfes Fell, trockene Fellstruktur, Haarverlust.
Bei der Alopezie X wachsen die Haare, anders als bei der Post-Clipping-Alopezie nicht mehr oder unvollständig nach. Die Hunde bleiben teilweise nackt. Die Haut pigmentiert nach und wird oftmals sehr dunkel/schwarz.
Ein paar Quellenangaben für jene, die sich in diese Thematik noch tiefer einlesen möchten.
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van Hensbergen I, van den Broek J, van Amersfort K, van der Lee A.
Evaluation of phenotypic risk indicators for the development of alopecia X (hair cycle arrest) in Pomeranian dogs in the Netherlands and Belgium.
Veterinary Dermatology. 2025;36:196–204. DOI:10.1111/vde.13326
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/vde.13326?utm_
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van Hensbergen I, Brachelente C, van der Lugt J, van den Broek J, van der Lee A.
Histological and Trichographic Differences Between Coat Types in Non-Alopecic Pomeranians and With Alopecia X.
Veterinary Dermatology. 2026;37(3):335–344. DOI: 10.1111/vde.70054
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41705568/
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/vde.70054
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Horn, Meike (2017): Post-clipping Alopezie vs. Alopecia X – Fakten, Diagnostik und Therapieansätze. veterinär spiegel, 27(04), 135–140. DOI: 10.1055/s-0043-120583.
22. Dezember 2017 online veröffentlicht. DOI: 10.1055/s-0043-120583
https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-120583
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Eisenschenk, M. (2021). Diagnosing and treating alopecia in dogs. Veterinary Practice News, 1 June 2021.
https://www.veterinarypracticenews.com/diagnosing-and-treating-alopecia-in-dogs/___________
Torres SMF, ed. (2025). Small and Large Animal Dermatology Handbook, Vol. 2. University of Minnesota Libraries Publishing.
30. April 2025 veröffentlicht, ISBN 978-1-959870-14-2
https://open.lib.umn.edu/animaldermatology2/chapter/alopecia-x/
