Klima | Hitze | Hundefell

 
Hundeschule Lottaleben Hundetraining Keeshond Wolfssptiz
 
 

Und immer wieder die Frage:
Kann man Hunde mit Doppelfell scheren?

Das mitteleuropäische Klima ändert sich schon seit Jahren sehr deutlich und immer öfter kommt die Frage auf, ob und wie man seinen Hund in diesen Hundswochen und -monaten (HundsTAGE gehören wohl der Vergangenheit an) unterstützen kann. Während bei Pudel & Co. eine Schur völlig normal und akzeptiert ist, sieht das bei Hunden mit Unterwolle schon deutlich anders aus. Die Meinungen gehen weit auseinander. Mischlinge mit Unterwolle rutschen durch diese Diskussion meist unbemerkt hindurch, bei Rassehunden hingegen wird mitunter hitzig argumentiert. Hunde werden mit Thermoskannen verglichen, die Krankheit Alopezie mit eingestreut, absolute Verbote ausgesprochen und das eigene Wärmeempfinden spielt sicherlich auch eine Rolle. Wie ist es aber nun am besten für den eigenen Hund? Darum sollte es ja letztendlich gehen. Hier also eine möglichst weitreichende Beleuchtung der Thematik, (fast) neutral und mit dem tatsächlichen Wunsch, solange Hundezucht sich nur wenig am Wohl des Tieres orientiert, einfach mal den eigenen Hund genau zu beobachten.

 
 

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Wuestenfuchs Fennek

Wüstenfuchs Fennek*

Ich erinnere mich immer wieder an den kleinen Wüstenfuchs Fennek, mit seinen riesigen, gut durchbluteten Ohren, die hervorragend für die Wärmeabgabe geeignet sind. Hier habe ich noch einmal genauer hingesehen. Unsere Hunderassen sind alle nach den Wünschen des Menschen geformt, ohne Rücksicht auf Verluste. Die Natur hingegen macht, was gut funktioniert und sinnvoll ist.

Die Bergmannsche Regel:
Bei gleichwarmen Tieren sind Populationen einer Art bzw. nah verwandter Arten in kalten Klimazonen tendenziell größer und massiger als solche in warmen Klimazonen. Mit zunehmender Körpergröße nimmt das Volumen stärker zu als die Oberfläche. Ein großer Körper besitzt daher relativ weniger Oberfläche, über die Wärme mit der Umgebung ausgetauscht werden kann.

Die Allensche Regel:
Bei gleichwarmen Tieren sind hervorstehende Körperteile bzw. Extremitäten – etwa Ohren, Beine, Schwanz oder Schnauze – in kalten Klimaten tendenziell kürzer bzw. kleiner, in warmen Klimaten dagegen länger bzw. größer.

Zusammengefasst >>
Wärme wird unter anderem über die Körperoberfläche abgegeben.
Je größer ein Tier, desto weniger Oberfläche hat es im Verhältnis zu seiner Masse. Damit gibt es weniger Wärme an die Umwelt ab. Was, je nach klimatischen Verhältnissen, ein Vor- oder Nachteil sein kann. Je kleiner es ist, desto mehr Oberfläche hat es im Verhältnis und gibt daher mehr Wärme ab.
Durch hervorstehende Extremitäten wie große Ohren, lange Gliedmaßen kann diese Oberfläche weiter vergrößert werden. Sind diese schwach oder gar nicht behaart, erlauben sie eine bessere Wärmeabgabe an die Umwelt.

In der Natur werden diese physikalischen Vorgänge oft kombiniert genutzt:
> größere Oberfläche, weniger Isolation, längere Extremitäten, größere Ohren

 
Hundeschule Lottaleben Hundetraining Wuestenfuchs Fennek Polarfuchs

Wüstenfuchs und Polarfuchs*

 
 
 

Auch bei Wölfen lässt sich beobachten, dass Tiere südlicher Populationen oftmals kleiner sind als solche in nordischen Gefilden.

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Podenco Ibicenco

Podenco Ibicenco*

Der Podenco ist ein schönes Beispiel für einen an heiße Klimazonen angepassten Hundetypus – und veranschaulicht die Allensche und Bergmannsche Regel. Es hätte, menschliche Vorlieben und Gebrauchswünsche hin oder her, wenig Sinn gemacht, einen solchen Typus in Sibirien, Lappland oder Alaska zu züchten. Er ist schlank & leicht, besitzt daher relativ viel Oberfläche im Verhältnis zu seiner Masse, hat lange Extremitäten und große Ohren, was ihm zusätzliche Oberfläche bereitstellt und hat kurzes, dünnes Fell – und damit eine erleichterte Wärmeabgabe. Bei einem Podenco bzw. anderen schlanken, wärmeangepassten Hundetypen können oberflächennah verlaufende Blutgefäße an wenig behaarten Körperpartien zur Wärmeabgabe beitragen. Ist dem Hund warm, können sich Gefäße der Haut erweitern (Vasodilatation). Dadurch wird mehr warmes Blut aus dem Körperinneren in oberflächennahe Gewebe transportiert.

Dort kann Wärme an die Umgebung abgegeben werden durch:
Konduktion, Konvektion, Radiation


Die Physik der Wärme

Wärmeleitung (Konduktion)
Wärme wird bei direktem Kontakt übertragen. Liegt ein Hund beispielsweise auf kaltem Steinboden, fließt die Wärme vom Hund in den Boden. Liegt er auf heißem Asphalt, kann diese Wärme vom Untergrund auf den Hund übertragen werden. Besonders wirksam ist dieser Wärmeaustausch an wenig oder unbehaarten Körperregionen, die direkten Kontakt mit dem Untergrund haben. (z.B. Innenseite der Schenkel, Achselregion)

Wärmeströmung (Konvektion)
Wärme wird durch bewegte Luft oder Wasser von der Körperoberfläche abgeführt. Deshalb empfinden wir einen Luftzug als kühlend. Dichtes Fell verhindert allerdings, dass Luft unmittelbar an die Haut gelangt. Je dichter die Unterwolle, desto stärker wird die Luft im Fell festgehalten – genau das macht sie zum hervorragenden Isolator.

Wärmestrahlung (Radiation)
Wärme kann ohne direkten Kontakt durch Strahlung übertragen werden. Ein Hund gibt selbst Wärmestrahlung an eine kühlere Umgebung ab, nimmt aber gleichzeitig Strahlungsenergie aus seiner Umgebung auf.
Besonders wichtig ist die Sonnenstrahlung: In direkter Sonne kann sich die Felloberfläche weit über die Lufttemperatur hinaus erwärmen. Ausreichend dichtes Fell kann die darunterliegende Haut vor direkter Sonneneinstrahlung abschirmen und zugleich den Wärmetransport von der erhitzten Felloberfläche zur Haut verlangsamen. Fell bietet somit einen wichtigen Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung. Helles Fell reflektiert dabei in der Regel mehr Sonnenstrahlung als dunkles Fell.
Diese Schutzfunktion – die verlangsamte Erwärmung der Haut bei direkter Sonneneinstrahlung – wird häufig als Argument dafür herangezogen, dass „dichtes Fell vor Hitze schützt“. Im Kern ist das erst mal nicht komplett falsch. Dieselbe isolierende Wirkung, die die Wärmeübertragung von außen verlangsamt, erschwert jedoch umgekehrt auch die Abgabe körpereigener Wärme über die Haut an die Umwelt. Das Doppelfell wirkt als thermischer Widerstand, der den Wärmefluss in beide Richtungen bremst.
Um das Beispiel mit der Thermoskanne heranzuziehen: Würde man einen Hund mit Eiswürfeln füllen, bliebe er dank der Isolationsschicht in großer Hitze länger kühl. 😉

Verdunstung (Evaporation)
Bei der Verdunstung von Wasser wird Wärme benötigt und dadurch dem Körper entzogen. Menschen nutzen dafür vor allem das Schwitzen über große Teile der Haut. Feuchtigkeit kühlt. Hunde können zwar über die Pfoten schwitzen, dies spielt für die gesamte Wärmeabgabe aber nur eine untergeordnete Rolle. Beim Hund erfolgt die Kühlung überwiegend über die Atemwege durch Hecheln. Daher sind eine ausreichende Schnauzenlänge und vor allem freie, funktionelle Atemwege für die Thermoregulation des Hundes enorm wichtig.


Sommerfell | Winterfell

Nun sind klimatische Gegebenheiten natürlich keineswegs einheitlich. Wir haben Tag und Nacht, Jahreszeiten, Breitengrade, Höhenunterschiede, Landmassen und vieles mehr, das die Temperatur beeinflusst.
In Berlin/Deutschland wird es im Winter äußerst kalt, die Übergangsjahreszeiten sind von nassen und kalten aber auch zwischendrin sehr warmen Tagen geprägt und die Sommer werden von Jahr zu Jahr heißer. Hier kühlt es oftmals auch nachts nicht mehr ab.

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Europaeischer Wolf Fellwechsel

Europäischer Wolf im Fellwechsel*

Ein europäischer Wolf beispielsweise verliert im Sommer tatsächlich recht ordentlich Fell, auch an Kragen und Rute und passt sich unter anderem damit den Temperaturen an. Teilweise sehen die Wölfe richtig zerzaust aus, das Fell wird regelrecht abgestoßen. Ähnelt einer missglückten Schur. ;-)

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Europaeischer Wolf Sommerfell

Europäischer Wolf im Sommer*

Wenn also ein extrem dichtes Winterfell im Sommer nur Vorteile hätte, gäbe es wenig Selektionsdruck, es jedes Jahr wieder loszuwerden. Die Natur macht hier offensichtlich etwas anderes:
Im Winter wird maximale Isolation aufgebaut. Im Sommer wird die Isolation deutlich reduziert. Verdunstungskühlung durch Hecheln allein scheint nicht auszureichend zu sein.

 
 
Hundeschule Lottaleben Hundetraining Europaeischer Wolf Winter

Europäischer Wolf im Winter*

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Timberwolf Fellwechsel

Timberwolf im Fellwechsel*

 
 

Doppelfell beim Hund

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Modern Shetland Sheepdog Sheltie

Moderner Shetland Sheepdog / Sheltie*

Unsere Hunde haben diese Anpassungsfähigkeit durch unsere Zuchtaktivitäten weitgehend verloren. Meine Kleinspitzhündin verliert zwar im Frühjahr Unmengen an Unterwolle, ist danach aber immer noch so dicht behaart, dass eine Reise in die Arktis kein Problem wäre. Zudem wächst die Unterwolle direkt wieder nach, nicht erst zum Winter. Auch bei einigen Schlägen des Australian Shepherds oder beim Sheltie beispielsweise ist ein Unterschied zum Winterfell mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die Ursprünge der Rassen sind uns ebenfalls oft nicht mehr bewusst. Die Insel Shetland ist auch im Sommer relativ kühl. Ein wirklicher Fellwechsel wird hier vermutlich nicht gebraucht. Im Gegenteil, ein echter Arbeitshund muss auch draußen jederzeit gut zurechtkommen. Insgesamt haben wir Menschen über die Zeit eine große Bandbreite an Doppelfellvarianten hervorgebracht.
Langhaar & Unterwolle | Kurzhaar & Unterwolle | Rauhaar & Unterwolle - und dabei alle Ausprägungen was die Dichte und Wuchsgeschwindigkeit betrifft.

Doppelfell-Beispiele: Schäferhund, Labrador, Spitz, Shiba Inu, Husky, Golden Retriever, Bearded Collie, Airedale Terrier, Tibet Terrier, Collie etc.

Sieht man sich z.B. einen Keeshond (Zuchtlinie des Wolfsspitzes) im Vergleich zu einem echten Wolf mit Winterfell an, ist das durchaus überraschend. Der Keeshond trägt im Sommer scheinbar deutlich mehr Fell als der Wolf im Winter. Und dieser lebt immerhin das ganze Jahr im Freien.

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Keeshond Wolfssptiz

Keeshond im Sommer*

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Europaeischer Wolf Winter

Europäischer Wolf im Winter*

Um noch einmal auf die Isolationswirkung zurückzukommen:

Ein Hund erzeugt nicht nur in Bewegung Wärme, auch im Ruhezustand sind alle seine lebenserhaltenden Stoffwechselvorgänge aktiv. Diese Wärme muss idealerweise an die Umgebung abgegeben werden können, damit die Körpertemperatur im Normalbereich von 37,5–39,2°C gehalten werden kann. Durch eine dichte Isolationsschicht wird diese Abgabe erschwert.

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Kleinspitz Moderner Zwergspitz Pomeranian

Ein Kleinspitz im Vergleich zu einem modernen Zwergspitz (Pomeranian)*

Je nach Modetrend und züchterischen Vorlieben kann man bei vielen Rassen oder einzelnen Zuchtlinien eine Zunahme der Fellmenge beobachten. Gleichzeitig ist bei manchen Rassen eine Verkürzung der Schnauze zu beobachten. Der Pomeranian (Zwergspitz) ist beispielsweise mit beiden Entwicklungen konfrontiert: Sehr üppiges Fell kann die Wärmeabgabe über die Haut erschweren, während eine verkürzte Schnauze die Verdunstungskühlung über die Atemwege beeinträchtigen kann.

Zudem sollte man sich unbedingt auch die heutigen Haltungsformen unserer Haushunde ansehen. Trotz Zucht auf üppiges Fell, leben diese Hunde in der Regel nicht mehr im Freien, sondern in beheizten Wohnungen (Fußbodenheizung…) und oftmals im städtischen Raum mit starker Wärmebelastung durch erhitzten Beton. Sie müssen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, leben in aufgewärmten Dachgeschosswohnungen und liegen tagsüber in Büros.

Ein moderner Pomeranian oder Keeshond mit Showfell lebt in der Stadt deutlich anders als ein Wolf im Wald oder auch nur seine Spitzahnen, die als Wachhunde meist draußen lebten und sich im Sommer im Schatten des Hofes, im kühlen Stall oder an ähnlichen Rückzugsorten aufhielten. Bei deutlich moderateren Temperaturen.


Was passiert beim Scheren? / Wie Scheren?

Das Fell bildet eine isolierende Schicht zwischen Haut und Umgebung. Wird diese Schicht deutlich verkürzt, verringert sich ihre Isolationswirkung und Wärme kann leichter zwischen Körper und Umgebung ausgetauscht werden. Je kürzer das Fell, desto geringer ist grundsätzlich seine isolierende Wirkung. Durch eine Schur wird die Fellstruktur verändert, Unterwolle und Deckhaar können in sehr unterschiedlichen Verhältnissen und Längen nachwachsen. Für die oft geteilte Aussage, Deckhaar würde deutlich langsamer wachsen als Unterwolle, konnte ich keine zuverlässigen Quellen finden. Ein Deckhaar ist von deutlich mehr feinen Unterwollhaaren umgeben, was nach einer Schur, beziehungsweise dem Nachwachsen den Eindruck vermittelt, es wäre zunächst nur Unterwolle zu sehen. Ein Verfilzen der Unterwolle konnte ich bisher bei keinem mir bekannten Hund beobachten.

Wichtig ist hier vor allem, zwischen einer Schur bis auf die Haut und einer Schur, bei der mehrere Millimeter bis Zentimeter Fell zurückbleiben, zu unterscheiden. Der Schutzmechanismus des Fells gegen Sonneneinstrahlung und mechanische Einwirkungen sollte unbedingt erhalten bleiben. Wir sprechen hier letztendlich über eine Schur, die eine Erleichterung bei hohen Temperaturen sein soll. Daher sollte der Hund natürlich weiterhin vor starker Sonneneinstrahlung geschützt werden.

Die Hautpigmentierung des Hundes ist auch zu beachten. Bei Extremschecken (Hunde mit wenigen dunklen Flecken im Fell, aber viel Weiß) ist die Haut oftmals rosa/scheckig und sehr empfindlich. Hier muss unbedingt ausreichend Fell zum Schutz vor Sonneneinstrahlung stehen bleiben.
Bei komplett weißen Hunderassen wie beispielsweise weißen Schäferhunden, Samojeden, weißen Spitzen oder sehr hellen „Golden“ Retrievern sollte die Haut in der Regel normal pigmentiert sein, da hier ein anderer Mechanismus für die helle Fellfarbe verantwortlich ist.

Erwähnen möchte ich hier kurz die „Post-Clipping-Alopecia“. Bei sehr kurzen Schuren bis auf/nah an die Haut, kann sich das Nachwachsen des Fells in seltenen Fällen an der Stelle der Schur für Monate, mitunter auch bis zu 1-2 Jahre verlangsamen. Meist wächst das Fell aber wieder vollständig nach.
Die Zusammenhänge der Post-Clipping-Alopezie sind noch nicht ausreichend erforscht. Sie tritt eher selten auf, bei recht hautnaher Schur (wird daher oft nach Operationen beobachtet) und vorrangig bei nordischen bzw. dicht behaarten Hundetypen mit Doppelfell bzw. Rassen, deren Haarzyklus lange Ruhephasen aufweist. Auch bislang unerkannte endokrine Erkrankungen werden als mögliche Mitursache diskutiert.


Beispiel für eine Sommerschur:

Die Unterwolle muss zunächst so gut wie möglich ausgebürstet werden. Es gibt diverse Bürsten, die dem unzureichenden Fellwechsel dabei auf die Sprünge helfen können. Ich persönlich schere im Anschluss z.T. die Beine | Bauch | Seiten | Innenschenkel recht kurz und lasse auf dem Rücken Deckhaar stehen. Sollte es doch zwischendurch kühlere und feuchte Tage geben (Frühjahr und Herbst) und v.a. auch zum Schutz vor UV-Strahlung. Meine Hündin fängt bereits ab 20 °C an, sich nur noch von Baumschatten zu Baumschatten zu bewegen – ein sogenannter „Schatten-Hopper“ 😉.  Durch die Schur verhält sie sich wesentlich agiler und entspannter. Auch hechelt sie deutlich weniger und kann an unserem normalen Alltag weiterhin teilnehmen. Gehen wir schwimmen, hat das Wasser tatsächlich eine Chance, sie zu kühlen. Man glaubt es kaum, in ihrer vollen Spitzpracht käme sie mit trockener Haut aus dem Wasser, so gut ist die Isolation! Die Tatsache, dass das Wasser die Haut erreicht, kommt uns im Sommer zugute. Unsere letzte Schur findet meist Ende Juli/Anfang August statt und bis das Wetter richtig schmuddelig wird, ist dann auch pünktlich das volle, schützende Fell mit Deckhaar zurück. Die Unterwolle wächst durchweg wie Unkraut. Ich schere pro heißem Sommer ca. 3-4x. Ich weigere mich aus Natur- und Klimaschutzgründen nur für meinen zu dicht behaarten Hund eine Klimaanlage zu erwerben und ganztags (und immer häufiger auch nachts) laufen zu lassen. Und den Hund im Sommer vorrangig in der Wohnung leben zu lassen.

 
Hundeschule Lottaleben Hundetraining Kleinspitz Schnee

Kleinspitz im Schnee

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Kleinspitz graugewolkt

Übergangsjacke 😉

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Kleinspitz Geschoren

Wenn’s unerträglich heiß wird

 

Fazit

Bei meinen Recherchen ist mir vor allem eines aufgefallen. Die Natur hat bestimmte sinnvolle Mechanismen der Temperaturregelung hervorgebracht, derer wir uns kaum noch bewusst sind. Unsere Hunde brauchen sie zum Teil gar nicht mehr, da wir ihre Selektionsbedingungen bestimmen. Ein Kurzhaarzwergdackel schafft es dank seiner Halter wunderbar den Winter zu überleben. Insgesamt sind die Zusammenhänge zwischen Felltyp und Thermoregulation beim Haushund noch nicht umfassend erforscht.


Man könnte also folgende Punkte beachten:

○ Aus welchen klimatischen Bedingungen kommt mein Hund ursprünglich und wie wurde
er dort üblicherweise gehalten?
○ Wie dicht ist das Fell meines Hundes und wirft er im Sommer genug davon ab?
○ Wie groß und massig oder klein und leicht ist mein Hund? (Bergmann)
○ Wie ist das individuelle Wärme- und Kälteempfinden meines Hundes?
(Ein dauerhechelnder Schatten-Hopper oder ein Sonnenanbeter?)
○ Wie alt ist mein Hund? Kam er früher mit dem Pelzmantel im Sommer gut klar aber
scheint nun im Alter schwer damit zu kämpfen?
○ Wie verhält sich mein Hund nach einer Schur? Erleichtert oder unverändert?
○ Wie lebt mein Hund? Ein russischer Laika auf einer Farm in Lappland ganzjährig im
Freien oder ein Australian Shepherd in Berlin Mitte in einem Appartement?
○ Hechelt mein Hund sehr viel, auch in der Wohnung? (nachweislich nicht aus Stress…)

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Kleinspitz Rennend

Ich hoffe, damit fällt die Entscheidung für oder gegen eine Schur leichter. Allen Instagram & Co. Artikeln zum trotz.

Dieser Artikel erhebt im Übrigen keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit, er dient lediglich der Veranschaulichung unterschiedlicher Fellbeschaffenheiten einiger Caniden.

* Alle Fotos, bis auf die meiner eigenen Hündin, wurden mithilfe von KI nach naturgetreuen Vorbildern erstellt und dienen der Veranschaulichung.

 

Exkurs Alopezie X

Die Alopezie X (Hair Cycle Arrest Alopecia/früher Black Skin Disease) möchte ich hier ebenfalls aufführen, da sie sich deutlich von der Post-Clipping-Alopezie unterscheidet. Die Alopezie X ist vermutlich eine genetische Veranlagung, die insbesondere den Zwergspitz (Pomeranian) und teilweise einige nordische Hunderassen mit Doppelfell betrifft (z.B. Keeshond / Wolfsspitz, Samojede, Chow Chow, Alaskan Malamute, Sibirischer Husky).
Sie wird gegenwärtig erforscht. In einer Studie wurde beobachtet, dass Pomeranians mit wolliger, wuscheligerer Fellstruktur, die sogenannten „Woolly-Coat“-Typen bzw. „Teddy“-Typen, ein etwa 4-fach erhöhtes Risiko hatten, Alopezie X zu entwickeln.

Der ursprüngliche Rassestandard des Spitzes beschreibt ein glänzendes Doppelfell mit langen, geraden Primärhaaren (Deckhaar) und dichter Unterwolle. Demgegenüber steht der moderne Woolly Coat eines Pomeranians mit krausem, eher stumpfem und trockenem Fell mit weniger Deckhaaren. Es ist derzeit unklar, ob der Woolly Coat lediglich eine durch Zucht entstandene Fellvariante ist oder bereits ein Vorstadium von Alopecia X. Das müsse weiter untersucht werden. In der veterinärmedizinischen Dermatologie wird Alopecia X häufig gar nicht mit Haarausfall beschrieben, sondern der erste Hinweis lautet:
Verlust der Deckhaare. Erst danach folgen stumpfes Fell, trockene Fellstruktur, Haarverlust.

Bei der Alopezie X wachsen die Haare, anders als bei der Post-Clipping-Alopezie nicht mehr oder unvollständig nach. Die Hunde bleiben teilweise nackt. Die Haut pigmentiert nach und wird oftmals sehr dunkel/schwarz.

Ein paar Quellenangaben für jene, die sich in diese Thematik noch tiefer einlesen möchten.

__________
van Hensbergen I, van den Broek J, van Amersfort K, van der Lee A.
Evaluation of phenotypic risk indicators for the development of alopecia X (hair cycle arrest) in Pomeranian dogs in the Netherlands and Belgium.

Veterinary Dermatology. 2025;36:196–204. DOI:10.1111/vde.13326

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/vde.13326?utm_
__________

van Hensbergen I, Brachelente C, van der Lugt J, van den Broek J, van der Lee A.
Histological and Trichographic Differences Between Coat Types in Non-Alopecic Pomeranians and With Alopecia X.
Veterinary Dermatology. 2026;37(3):335–344. DOI: 10.1111/vde.70054

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41705568/

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/vde.70054
___________

Horn, Meike (2017): Post-clipping Alopezie vs. Alopecia X – Fakten, Diagnostik und Therapieansätze. veterinär spiegel, 27(04), 135–140. DOI: 10.1055/s-0043-120583.

22. Dezember 2017 online veröffentlicht. DOI: 10.1055/s-0043-120583

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-120583
___________

Eisenschenk, M. (2021). Diagnosing and treating alopecia in dogs. Veterinary Practice News, 1 June 2021.

https://www.veterinarypracticenews.com/diagnosing-and-treating-alopecia-in-dogs/___________

Torres SMF, ed. (2025). Small and Large Animal Dermatology Handbook, Vol. 2. University of Minnesota Libraries Publishing.
30. April 2025 veröffentlicht, ISBN 978-1-959870-14-2

https://open.lib.umn.edu/animaldermatology2/chapter/alopecia-x/

 
Posted on August 25, 2026 .

Bin ich ein Hundemensch?

 
Hundeschule LottaLeben Hundetraining Hundemensch Kaufberatung
 
 

Die Top 3 Hundemensch-Auswahlkriterien


Ein wirklich wichtiges und sinnvolles Angebot vieler Hundeschulen ist die Kaufberatung. Die Abklärung vor der Anschaffung eines Lebensgefährten für immerhin etwa 1½ Jahrzehnte. Immer noch viiiiel zu wenig genutzt, obwohl sehr wichtig. Bevor man sich in eine ausführliche Kaufberatung zum Thema Hund begibt, kann man sich ganz ehrlich und einfach selbst auf seine Hundetauglichkeit prüfen. Ein paar wichtige Grundvoraussetzungen sollten durchaus gegeben sein. ;-) Bringe ich diese mit?

1. ICH BIN GERNE DRAUSSEN & IN DER NATUR UNTERWEGS,
BEI FAST JEDEM WETTER!

Wahrscheinlich die wichtigste Voraussetzung für das Leben mit einem (glücklichen) Hund. Man sollte gerne spazieren gehen, gerne an der Luft sein wollen und nicht beim kleinsten Niesel in depressive Stimmungen verfallen. “Raus aus der Butze” lautet die Devise. Hunde lieben es frei zu laufen, zu rennen, zu spielen, zu schnüffeln, ihre Umwelt zu erkunden und mit ihrem Menschenkumpan unterwegs zu sein. Sie sind keine Stubenhocker. Ist ein Hund ein Stubenhocker, hat dies in der Regel Gründe!

2. ICH LEBE IN EINER UMGEBUNG DIE (WEITESTGEHEND)
HUNDEGERECHT IST.

Die zweite, unabdingbare Voraussetzung für das Leben mit einem (glücklichen) Hund.
Hier wird es jetzt ein wenig komplizierter. Eine Kaufberatung steigt tiefer in diese Thematik ein. Grundsätzlich ist auf ein Minimum an Lebensqualität für den Hund zu achten. Lebe ich in der Stadt? Wo in der Stadt (mitten drin oder am Rand?)? Gibt es einige große Parks in meinem Umfeld? Oder komme ich mit dem Auto schnell, so dass es fast täglich zeitlich machbar ist, raus aufs Feld oder in den Wald? Den Zeitaufwand, um mit dem Hund täglich richtig spazieren gehen zu können, muss man unbedingt realistisch mit einberechnen. Nur mal am Wochenende reicht nicht. Wichtig ist auch zu verstehen, dass die Existenz von Hunden überall in der Stadt nicht automatisch bedeutet, dass dies richtig so ist. Könnte man die Hunde fragen…. Die entscheidende Frage ist, wie groß ein Kompromiss sein kann und ab wann es einfach unfair wird. Denn in einem Hund-Halter-Team gibt es ZWEI Perspektiven.

3. SCHMUTZ - HAARE - HOHE KOSTEN - TRAINING - ZEIT

So könnte man den Rest grob zusammenfassen. In der Regel haben Hunde in unserer Klimazone Unterwolle, denn es ist die meiste Zeit des Jahres kühl und feucht und das Fell schützt sie. Das bedeutet Haare im Haus und jede Menge Schmutz, der hineingetragen wird. Wer es also gerne sauber mag, muss sich auf einiges an extra Arbeit einstellen. Oder eine entspannte Herangehensweise lernen. Bürsten, Staubsaugen, wischen, waschen etc. Gehört dazu.
Die Kosten möchte ich erwähnen, denn sie sind extrem gestiegen. Die Gründe sind vielfältig.
Die Zeit, die ein Hund täglich braucht und auch die Ausbildungszeit sind beachtlich. Nur wer Lust hat, sich intensiv mit dem Wesen eines Hundes auseinanderzusetzen und ihm alles Schritt für Schritt beizubringen, was er für den Alltag mit seinem Menschen können muss, sollte sich für einen Hund als Familienmitglied entscheiden. Diesen Aufwand unterschätzen sehr viele Menschen. Ohne geht es aber nicht. Hunde sind von Natur aus hoch sozial, agil und ziemlich schlau und laufen eher selten einfach so nebenher. Das gibt es auch, ist aber so nicht zu erwerben. 😉 Gerade in den ersten 1-2 Jahren heißt es: Verzicht auf einen Großteil des Soziallebens, Urlaub verschieben, Veranstaltungen absagen, Zeit gut einteilen, Ruhe bewahren, Geduld üben. 😅

Und? Hand auf’s Herz, sind die Grundvoraussetzungen gegeben?

Ein intensives Gespräch kann zudem Klarheit bringen:

 
Posted on October 30, 2025 .

Tierschutz ist nicht gleich Tierschutz

 
Hundeschule LottaLeben Hundetraining rumänischer Straßenhund in Berlin
 
 

Tierschutzhund, Rassehund oder
doch lieber spenden?

 
Gerade sieht man an Bushaltestellen und anderen öffentlichen Orten vermehrt Plakate mit der Aufschrift:
Adoptieren statt shoppen! Zu sehen sind Hunde aus dem Auslandstierschutz und Menschen, die ihnen helfen. Hunde aus dem Ausland zu holen wird immer mehr zum Trend und das klassische Erwerben eines Hundes kommt gleichzeitig immer mehr in Verruf.

Als Hundetrainerin, die mit Hunden aus allen möglichen Bereichen zu tun hat, ist es mir ein Bedürfnis, wichtige Informationen weiterzugeben. An alle Menschen, die mit dem Gedanken spielen, einen Hund aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Besonders Menschen, die noch nie mit einem Hund gelebt haben.


Pro Tierschutzhund:
Ein Hund, der dazu schlecht in der Lage ist, wird von einem Leben auf der Straße verschont.
Ein Hund wird vor dem Tod gerettet.
Dieser Hund kann sich in seinem Heimatland nicht mehr unkontrolliert vermehren.


Contra Tierschutzhund:
Kennt ihr noch DREI, ZWEI, EINS – MEINS!?
Leider ist die Art und Weise, wie Hunde über nette Fotos und recht wenig verlässliche Beschreibungen aus dem Ausland bestellt werden, keine gute Art und Weise, wie zwei (oder mehr) zusammenfinden, die dann viele viele Jahre miteinander Leben und auskommen werden müssen. Ein großer Teil der ambitionierten Tierschützer unterschätzt komplett, was da auf sie zukommen kann. Traumatisierte Tiere, nicht sozialisierte Tiere, kranke Tiere, Tiere mit mehreren Baustellen auf einmal. Meist recht hohe Kosten für Hundetraining und Verhaltensberatung oder auch Tierarztkosten, eine komplette Umstellung des eigenen Lebens, wie man es vorher kannte. Nicht selten entstehen dann aus den geretteten Hunden ungeliebte Problembündel, die von einem zum nächsten wandern und sich bestimmt alles andere als „gerettet“ fühlen.

Was mich persönlich sehr stört, ist die allgemeine Verharmlosung von Importen, als wäre es für jedermann, jederzeit, jederort ohne große Probleme machbar.
Ich lebe und arbeite in Berlin und sehe täglich Hunde, die hier nicht hingehören, die hier nicht hin vermittelt werden sollten. Nicht an Ersthundebesitzer, nicht in eine Stadt. Aber die Hunde werden rausgehauen wie Restposten. Alles besser als die Tötungsstation. Irgendwie ja, klar, irgendwie schon aber …. als Trostpreis dann ein Leben voller Stress, Angst, und daraus resultierender Aggression, Panik und Menschen, die einem nicht helfen können, weil sie selbst komplett überfordert sind?

Wichtig wäre eine gute Aufklärung der Interessenten und eine sinnvolle Vermittlung über einen wirklich guten Tierschutzverein, an Orte und in Lebensumstände, die zum Hund passen.


Also keine Hunde mehr aus dem Ausland retten?

Hundeschule LottaLeben Hundetraining rumänischer Straßenhund im Straßenverkehr

Ein Hundeleben….

Alle, bei denen die Aufnahme eines Hundes, ohne ihn zuvor jemals gesehen zu haben, ohne Ahnung von Hunden zu haben, trotzdem wunderbar geklappt hat, denken sich nun sicher: „Was soll das, selbstverständlich sollte jeder einen Tierschutzhund aufnehmen!“
Das sind die Momente, in denen ich gerne eine universelle Macht fragen wollen würde:
Bei wie vielen klappt es tatsächlich im städtischen Bereich, im Sinne von Mensch UND Hund?
Ganz klar, wir sollten weiterhin Hunden ein schönes Leben (versuchen zu) ermöglichen, aber mit Hintergrundwissen, mit einer soliden Beratung vorab, mit Sinn und Verstand!

Das eigentliche Problem:
Symptombehandlung statt Ursachenbekämpfung

Einen Hund zu sich zu holen und dabei gleichzeitig etwas für den Tierschutz tun zu können ist ein attraktives Doppelpaket. Und wenn es klappt, um so schöner. Aber es ist tatsächlich nur die Umsiedlung eines einzigen Hundes. Für den Tierschutz im betreffenden Land hat man bedauerlicherweise nur wenig getan. Am Problem selbst ändert sich zu wenig, es kommen abertausende Hunde neu hinzu.
Die Zahlen sprechen für sich. In den entsprechenden Ländern ändert sich die Hundepopulation durch Exporte nicht.

Ich plädiere daher an alle, die etwas für Hunde in anderen Ländern tun wollen:

Denkt lange und ausgiebig über eine Adoption nach, wägt ab, lasst euch beraten, seht euch die Hunde an, lernt sie vorher kennen, bekommt ein Gefühl für den neuen Lebensabschnittsgefährten, stellt euch als Pflegestelle zur Verfügung. Seid ehrlich, was ihr für Ansprüche an einen Hund habt, macht keine Schnellschüsse.
Der Klick im Internet macht es uns zu leicht. Unser gewohntes Konsumverhalten zu schwer, länger abzuwägen und abzuwarten. Es ist außerdem völlig legitim, sich der Aufgabe nicht gewachsen zu fühlen und stattdessen erstmal zu spenden, vielleicht sogar regelmäßig, um das Problem an der Wurzel zu packen.

Spendet Geld für Aufklärungsarbeit und Kastrationsprojekte!

Hier wird an den Ursachen gearbeitet. Mit dem Ziel das Leid dieser Hunde auf den Straßen in unterschiedlichsten Ländern irgendwann komplett zu beenden. Keine unkontrollierte Vermehrung mehr.


Es gibt viele Projekte, die man unterstützen kann, hier nur eine kleine Auswahl:

Projekt Peta helps Romania:
In diesem Projekt wird politische Arbeit, sowie Aufklärungsarbeit in Schulen betrieben und es werden Kastrationsprojekte durchgeführt.

Laut Peta könnte rein rechnerisch ein einzelner nicht kastrierter Hund in nur 6 Jahren ca. 67.000 Nachkommen erzeugen. Hier müssen wir dringend ansetzen.

Hundeschule Lottaleben Hundetraining unkontrollierte Vermehrung Hunde

Projekt Tötungsstationen in Rumänien in Kastrationszentren umwandeln:

(Griechenland, Rumänien, Kapverden, Deutschland)

… und viele viele mehr…
Mit nur ein paar wenigen Klicks und einem verhältnismäßig geringen Spendenbeitrag habt ihr nicht nur einem Hund, sondern bei möglichst vielen Kastrationen, unzähligen Hunden ein hartes Leben auf der Straße erspart!

Danke!

 
Posted on February 16, 2025 and filed under Alltag mit Hund.

Braucht mein Hund einen Maulkorb?

 
Hundeschule LottaLeben Hundetraining Berlin Hund Maulkorb.jpg
 
 

Maulkörbe:
Anlässe, Formate und Training


Die meisten Hundehalter stellen sich, oder ihrem Hundetrainer früher oder später die Frage, ob sie für ihren Hund wirklich einen Maulkorb benötigen. Hier kurz und knapp ein paar Gründe für einen Maulkorb, verschiedene Maulkorbmodelle und eine genaue Anleitung, wie man einen Maulkorb gut trainiert.



gründe für einen maulkorb:


1. Mobilität

Zu Recht gibt es in vielen öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maulkorbpflicht. Man sollte immer abwägen, ob eine Fahrt für den Hund zumutbar ist, nicht besser zu umgehen ist oder sich “lohnt”. In einer Stadt wie Berlin besteht absolut die Gefahr, dass in den überfüllten Zügen jemand auf den Hund tritt oder der Hund sehr starken Stress erleidet. In beiden Fällen sind Beißvorfälle nicht auszuschließen. Kleinere Hunde kommen oft um das Tragen eines Maulkorbs herum, da man sie auf den Schoß nehmen oder in einer Tasche transportieren kann. Trotzdem sollte man z.B. in der deutschen Bahn immer damit rechnen, nach einem Maulkorb gefragt zu werden. Gleiches gilt für den öffentlichen Stadtverkehr. In Berlin beispielsweise kommt man durchaus im Busverkehr im Speckgürtel in diese Situation und darf ohne Maulkorb unter Umständen nicht einsteigen.

2. Tierarzt / Notfallsituation
Für viele Hunde ist ein Tierarztbesuch großer Stress und je nach Behandlungsintensität kann es für die Tierärzte auch gefährlich werden. Ich halte es daher für sinnvoll, einen Hund sogar schon ziemlich früh spielerisch an einen Maulkorb zu gewöhnen. Oft sind Hundehalter unvorbereitet und dem Hund, der ohnehin schon sehr nervös auf dem Tisch festgehalten wird, wird nun sehr unschön eine Maulschlaufe angelegt, er wird von allen festgehalten und behandelt. Nach einer solchen Erfahrung sind Hunde verständlicherweise erst mal sehr schlecht auf Maulkörbe zu sprechen.

3. Aggressives Verhalten
Niemand gesteht sich gerne ein, dass der eigene Hund aggressives Verhalten gegen Menschen oder anderen Hunde zeigt. Was Menschen betrifft, gilt es hier Verantwortung zu übernehmen, wenn die Situation nicht 100 % kontrollierbar ist. (Enge, Restaurants, Menschenansammlungen, öffentlicher Verkehr etc.)

Bei Aggressionen gegen Hunde kommt man, wenn man sich mit Hilfe einer Hundeschule wieder an normale und angemessene Hundebegegnungen heranarbeiten will, nicht um einen Maulkorb herum. Der Schutz anderer muss immer vorgehen.

4. Fress-Schutz
Ich bin persönlich kein großer Fan von Maulkörben als Fressschutz, da sie hier wirklich durchgehend getragen werden müssen. Als Übergangslösung ja. Aber das Thema sollte ernsthaft angegangen werden.


Hundeschule Lottaleben Hundetrainerin Berlin Maulschlaufe Stoffmaulkorb

Symbolbild: Mit KI erstellte Darstellung eines Hundes mit Maulschlaufe.

Wichtig:
MAULSCHLAUFEN sind keine Maulkörbe!! und dürfen nur sehr kurzfristig angewendet werden. Das Zubinden des Mauls verhindert das Hecheln und macht es dem Hund unmöglich, seine Temperatur auszugleichen. Atemnot, starker Stress und die Gefahr einer lebensgefährlichen Überhitzung sind die Folgen.
Die Nutzung im Alltag, so z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf Straßen ist nicht erlaubt! Ganz so klar wie das Österreichische Tierschutzgesetzt, das im Rahmen des generellen Verbots der Tierquälerei Hilfsmittel seit 2025 komplett verbietet, wenn diese: „….physiologische Abläufe, das Hecheln oder die Wasseraufnahme, verhindern.“, ist es im Deutschen Tierschutzgesetzt nicht formuliert. Im Grunde gilt aber das Gleiche:
In § 2 TierSchG (Tierhaltung) Nummer 2 ist klar geregelt, dass die Möglichkeit eines Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so eingeschränkt werden darf, „… dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden […]“

Erstaunlicherweise bieten bekannte Onlineshops weiterhin Maulschlaufen zum Kauf und für den Gebrauch in Zügen etc. an.
Sie wissen es nun besser! Informieren Sie auch Freunde und Bekannte.


maulkorb modelle:

Hier wurde frontal ein Loch in den Maulkorb geschnitten, um die Gabe von Leckerchen zu erleichtern.

Das einfachste und günstigste Maulkorbmodell ist wohl der Plastikmaulkorb, den es von vielen Firmen meist in schwarz oder beige im Angebot gibt. Als Einsteigermodell spricht nichts gegen diesen Maulkorb. Er ist leicht und stört den Hund relativ wenig, auch Ruhen ist möglich.

Bei allen Maulkörben gilt es auf Folgendes zu achten:
1.
Der Maulkorb darf, wenn er fest verschlossen ist und sicher sitzt, nicht zu nahe an die Augen des Hundes rutschen. Der einfache Plastikmaulkorb ist dazu um die Augen herum ausgeschnitten.
2.
Der Maulkorb sollte vorne weder Nase noch Maul berühren, da dies für den Hund sehr störend und damit ein Auslöser für Stress ist.
3.
Es ist darauf zu achten, dass die Seitenteile nicht auf die Backen drücken. So könnte z.B. ein Maulkorb für Hunde mit langer, schmaler Schnauze (Windhund) zu eng sein für einen Hund mit einem breiten Schädel.
4.
Der Maulkorb muss unbedingt geräumig genug sein, so dass ein Hecheln (Temperaturausgleich) mit weit geöffnetem Maul möglich ist.

Um einen richtigen Drahtmaulkorb kommt man nicht herum, wenn der Hund wirklich Verletzungsabsichten hat. Sicher ist sicher. Diese “Maulis” sind meist recht groß, damit der Hund im Training auch ausreichend hecheln und Futter aufnehmen kann und sich durch den Maulkorb nicht gestört fühlt. Auf das Gewicht ist zu achten. Für gemütliche Fahrten im ICE oder sonstigen Situationen, in denen der Maulkorb länger und im Liegen getragen werden muss, ist ein solcher Maulkorb eher nicht zu empfehlen.

Hundeschule LottaLeben Hundetraining Berlin Biothane Maulkorb

Gorki ist Profi, er fährt regelmäßig mit dem Regio in die Natur.

Biothanemaulkörbe werden an die Schnauze des Hundes angepasst. Man übermittelt die genauen Abmessungen und kann sich wunderbare Farbkombinationen aussuchen. Dann wartet man auf seinen maßgeschneiderten Maulkorb. Zudem ist das Material weich und stört einen liegenden Hund wohl von allen Maulkörben am wenigsten. Auf genug Raum um die Augen und Platz zum Hecheln ist bei der Bestellung auf jeden Fall zu achten. Diese Maulkörbe sind durch die Maßanfertigung recht teuer.

Hundeschule Lottaleben Hundetraining Berlin Windhund Maulkorb

Unter dem vielen Fell verbirgt sich eine schlanke, lange Pudelschnauze.

Der Windhundmaulkorb sei auch kurz erwähnt. Er ist stabiler als der einfache Plastikmaulkorb aber auch schön leicht. Da er für Hunde mit langen schmalen Schnauzen gemacht ist und daher eher eng sitzt, könnte er Hunden mit breiteren Köpfen seitlich an den Backen drücken.

Maulkörbe stöbern und Fragen stellen kann man schön hier:

https://www.chicundscharf.com/

Viele Kunden mögen den Baskerville Ultra Maulkorb. Dieser Maulkorb ist sehr stabil und relativ sicher. Die Sicherheit eines Metallmaulkorbes erreicht er jedoch nicht. Ein schönes Feature ist, dass er sich im Wasser erhitzen und anschließend verformen, also dem Hundeschädel besser anpassen lässt. Für besseren Halt ist er mit einem zusätzlichen Riemen auf der Stirn ausgestattet. Da der Umfang des Korbs kleiner ist als der von Drahtmaulkörben, sollte auf ausreichend Maulfreiheit zum Hecheln geachtet werden.


maulkorbtraining:


Wichtig beim Maulkorbtraining ist bei vielen Hunden, dass man es recht kleinschrittig und mit unzähligen Wiederholungen übt. Es dauert ein bisschen und man muss sich in Geduld üben, dafür hat man anschließend einen Hund, der ohne Probleme und Nervosität den Maulkorb tragen kann. Für längere Reisen oder im Hundetraining absolut unabdingbar.


Schritt 1 
Den Maulkorb wie ein besonderes, neues Spielzeug einführen und spannend gestalten. Man kann ihn mit Leberwurst oder Streichkäse einschmieren, zusätzlich noch sehr gute Leckerchen, Wurststücke oder Käsestücke in den Maulkorb legen und den Maulkorb so das erste Mal dem Hund präsentieren. 
Der Hund soll das „Bauchgefühl“ haben, es handle sich um ein Futterspielzeug, wie Eis am Stiel zum Ablecken :-)

Diesen Schritt mehrmals wiederholen, so dass der Hund beim Anblick des Maulkorbs schon mit der Rute wedelt und sich richtig darauf freut. 


Schritt 2
Nun öfters den Hund gezielt den Kopf in den Maulkorb stecken lassen (Futterstücke) und die Riemen dabei hinter den Ohren festhalten, aber noch nicht richtig schließen.
Sobald der Maulkorb leer gefressen ist, werden die Riemen gelöst und der Maulkorb vom Kopf genommen. 

Diesen Schritt ebenfalls viele Male wiederholen


Schritt 3
Im nächsten Schritt wird der Riemen tatsächlich fest hinter den Ohren geschlossen. Man hat eine Schüssel mit weiteren, sehr schmackhaften Leckerchen vorbereitet. Sobald der Maulkorb leer gefuttert ist, kann nun von Außen zugefüttert werden. Der Maulkorb sollte dazu etwas breitere Abstände zwischen den einzelnen Streben haben, damit Futter locker durch passt. Bei Plastikmaulkörben lässt sich sehr einfach ein Stück herausschneiden. Zur Not tut es aber auch eine Tube mit Leberwurst. Ist alles aufgefressen, wird der Maulkorb abgenommen.

Viele Male wiederholen.

Richtig fleißig geübt!

Schritt 4
Den Hund während des Tragens nun immer ordentlich mit Futter belohnen. Jetzt kann man beginnen, die Abstände zwischen den Futterbelohnungen langsam zu verlängern. Es lohnt sich der Versuch, diesen Schritt auf dem Lieblingsplatz des Hundes zu üben. Der Hund liegt und ist maximal entspannt. Auch kleine Streichel- und Massageeinheiten können nicht schaden. Die Abstände zwischen den Futtergaben immer weiter hinauszögern. Aber Vorsicht, der Hund sollte keine Zeit haben, irritiert zu sein und dann zu beginnen, mit seiner Pfote den Maulkorb abzustreifen.

Diesen Schritt besonders oft und lang üben und wiederholen. 

Schritt 5
Ihr Hund trägt den Maulkorb nun ohne Probleme fest verschlossen auf dem Kopf, zum Teil sogar mit längeren Pausen ohne Futterablenkung. Ebenso haben Sie es geschafft, dass er auf seinem Platz liegt und oder sogar den Kopf ablegt. Wenn Sie Glück haben, vielleicht sogar mit Maulkorb im Hundebett ruht/schläft. Jetzt können sie beginnen, einzelne Laufeinheiten mit einzubauen. Zum Beispiel könnte man den Hund sitzend von seiner Decke einmal quer durch die Wohnung abrufen und ihm dort Futterbelohnung geben. Wenn es gut läuft, versucht der Hund auf dieser Strecke nicht, den Maulkorb abzustreifen. Ebenfalls würde man nun die Einheiten auch nach draußen verlegen. Immer genug Futter einstecken! Und auch draußen beim Laufen die Abstände immer weiter vergrößern, in denen es Futterbelohnung gibt. Sollte der Hund doch einmal versuchen den Maulkorb abkratzen zu wollen, kann man es ihm konsequent und freundlich aber bestimmt verbieten. Der nächste Schritt sollte dann wieder ein wenig kürzer und einfacher sein, damit diese Versuche beim Hund gar nicht erst auftreten.

Wenn bei einem nächsten Schritt Probleme auftreten, immer noch mal eine Stufe zurückgehen und den Schritt davor noch mehr vertiefen

Wichtig ist auch:
Möglichst nicht zu viel Abstand zwischen den Übungseinheiten lassen! Man sollte regelmäßig üben und vor allem auch draußen in allen möglichen Situationen. Ihr Hund soll lernen, dass man mit Maulkorb ohne Probleme gehen, schnüffeln, trinken, essen, pinkeln, liegen und Hundekontakt haben kann. Nur wenn ein Hund den Maulkorb entspannt tragen kann, kann man ihn auch in den entsprechenden Situationen ohne Weiteres benutzen. Besonders beim Thema Hund-Hund-Aggression ist ein Maulkorb, der den Hund nicht noch zusätzlich stresst und stört die Grundlage für ein Üben ohne zusätzlichen Frust. 

Viel Erfolg und Geduld! :-)

 
Posted on May 22, 2024 and filed under Nützliches, Alltag mit Hund.

Hundeforum Puppy Meets Puppy

Hundeschule LottaLeben Hundetraining Berlin Puppy Meets Puppy Logo
 

Der passende Sozialkontakt für Euren Hund!


Darf ich vorstellen: Puppy Meets Puppy! Ein neues Online Portal auf dem man gezielt sinnvolle Sozialkontakte für seinen Hund suchen kann. Egal, ob für Welpen, Junghunde, erwachsene Hunde, ob für Sozialisierung, Spiel, Spaziergang oder vorsichtige Wiederannäherung an andere Hunde. Ein guter Start ist für Welpen wichtig, aber auch erwachsene Hunde, die vielleicht ungünstige erste Lebensmonate hatten, haben die Chance, noch einen persönlichen “Therapeuten” zu finden. Soziale Kompetenz für alle. ;-) Gerade, aber nicht nur! für Stadthunde. Seid kreativ, organisiert Gruppenspaziergänge mit passenden Hundepersönlichkeiten oder einen regelmäßigen Treff.

 
 

Wer sich so gar nicht sicher ist, was er sucht, dem hilft die Webseite Puppy Meets Puppy mit einem eingebauten Matching System. Die Ampelfarben grün, orange und rot sollen eine kleine Orientierung geben, ob die eigene Auswahl wirklich so günstig ist.

Hundeschule LottaLeben Hundetraining Berlin Puppy Meets Puppy Hundeforum

Passt das denn wirklich?

Aber vergesst nicht: Ihr kennt Eure Hunde am besten und ein Computer kann nur bis zu einem gewissen Grad sinnvoll mit entscheiden. Wenn Ihr also beispielsweise gezielt ruhige und gut erzogene, große Hunde sucht, um Eurem kleinen Hund die Angst vor den Großen zu nehmen, dann ist das eine gute Idee. Suchen könnte Ihr natürlich erst mal, was Ihr wollt.

Ob Ihr einen anderen Welpen einer Zwergrasse in Eurer Umgebung sucht, oder ein regelmäßiges Treffen für kleine Hunde organisieren wollt. Ob Ihr einen Rennpartner für Eure Windhund-Dame sucht oder einfach nur entspannt mit einem passenden anderen Hund Waldspaziergänge unternehmen möchtet. Hier könnt Ihr fündig werden. Nicht nur in Berlin! Überall.

Ich hoffe sehr, Ihr erfreut Euch an dieser Option.


Viel Freude beim Anlegen eines Profils für Euren Hund und hoffentlich findet sich in nicht allzu großer Ferne ein (oder mehrere) gute/r Sozialpartner! ;-)



 
Posted on July 10, 2021 and filed under Alltag mit Hund, Nützliches.

 
 
Posted on October 24, 2015 .